Vereinigte Staaten von Amerika


Atlanta




13.-18. Oktober 2005

„It is no longer a choice, my friends, between violence or non-violence. It is either nonviolence or nonexistence.“

Atlanta wirbt als Stadt der Superlativen und ist im Grunde einfach nur langweilig. Mehr als zwei Tage kann man dort nicht verbringen und sich auf Entdeckungsreise zu begeben ist nicht notwendig.


Der Weg der Steine Mit Coca Cola, dem seit 1886 berühmten braunen Zuckergetränk, ist den Amerikanern das gelungen, was im Marketingjargon eine internationale Marke genannt wird. Knapp 120 Jahre nach der Erfindung dieses „Erfrischungsgetränkes“ ist Coca Cola das, was man weltweit mit dem American way of life assoziiert, ein Zeichen des amerikanischen Imperialismus oder einfach nur eine geniale Marketingmaschinerie, die Wasser zu Gold verwandelt?


Der Weg der SteineDer Nachrichtensender CNN schreibt eine zweite amerikanische Erfolgsgeschichte. Seit dem 1. Golfkrieg hat CNN das Fernsehen zu einem Format entwickelt, das die Bilder des Geschehens live, rund um die Uhr, direkt aus dem Zentrum der Ereignisse in die Wohnzimmer überträgt. So wird Tag für Tag, Stunde für Stunde aus dem CNN-Center in Atlanta über die ganze Welt ein mediales Netz gespannt, das es jedermann ermöglicht trügerisch unmittelbar am Weltgeschehen teilzunehmen. Ein Beispiel ist das Papststerben im Frühjahr dieses Jahres. Damit ist zugleich eine ungeheure mediale Normierung, Verflachung und Einengung von Realität verbunden. Durch die illusionäre Direktbeteiligung werden massenhaft künstliche Gefühle produziert, ein eklatantes Ungleichgewicht entsteht zwischen den übertragenen Bildern und den bis zur Nichtwahrnehmung geschrumpfter Ereignisse, die nur marginalisiert, wenn überhaupt  behandelt werden (z. B. Kriege in Afrika).

Der Weg der SteineZwei weitere Superlativen Atlantas,  das Olympiastation von 1996 sowie das Hauptquartier der Zeugen Jehovas, ein imposantes Hochhaus mit den bekannten beiden Wachtürmen, boten nicht den rechten Platz für die Steinablage.


Wie kein anderer hat Martin Luther King jr. die schwarze Bürgerrechtsbewegung vorangetrieben.  Der 1929 in Atlanta geborene baptistische Pfarrer, ermordet 1968 in Memphis, vertrat wie Gandhi den Grundsatz der Gewaltlosigkeit und erhielt dafür 1964 den Friedensnobelpreis.  Mit seiner Idee der gewaltlosen Revolution konnte er sowohl Schwarze wie Weiße für die Bewegung gewinnen und die Rechte der Schwarzen (Afroamerikaner) nach 340 Jahren durchsetzen und die Gesellschaft für diese Fragen sensibilisieren.

Der Weg der Steine

Die Gegensätze zwischen Schwarz und Weiß werden allerdings auch heute noch in der amerikanischen Gesellschaft sichtbar, wie zuletzt die Flutkatastrophe von New Orleans zeigte.


Der Weg der Steine

Das Geburtshaus von Martin Luther King jr. liegt in einem Wohnviertel, unweit der Hochhäuser downtown, mit alten Holzhäusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert und wird hauptsächlich von Schwarzen bewohnt.


Der Weg der Steine Der Weg der Steine



Zafer Toker, Frankfurt/Main
2005