Vereinigte Staaten von Amerika


Ruby /Alaska (64°44'25,54"N ,155°29'6.94"W)



Als meine Reise begann war noch nicht klar, wo ich einmal in Alaska liegen soll. Alaska! Dieser nördlichste Bundesstaat der USA, viermal so groß wie Deutschland, wird nur von 600.000 Menschen bewohnt. Und von xmal so vielen Elchen, Karibus, Bären, Moskitos.

Meine Boten paddelten seit Monaten durch die Wildnis. Der gewaltige Yukon River sollte sie Ende September 2008 zur Beringsee im Westen Alaskas bringen. Auf dem Weg dorthin war die Begegnung mit einem außergewöhnlichen Mann sicher: Wolf Hebel. Dort sollte ich schließlich bleiben.

Wolf zählt 73 Jahre und wohnt in der Siedlung Ruby. Etwa 300 Menschen leben dort, viele davon Indianer. Eine Straßenanbindung nach außen existiert nicht. Der Fluß ist die Straße – und der Himmel.




Wolf gelangte Ende der 60er über Umwege nach Alaska. Er lebte als Trapper mit einem alten Indianer, heiratete eine Eskimo, siedelte schließlich nach Ruby um. Bekannt ist er mittlerweile als der „German Artist“ – mit Schnitzereien aus und Bildern auf Elchschaufeln verdient er sich ein wenig Geld dazu.

Vor kurzem ist auch seine Autobiografie „Auf der Suche nach Freiheit“ erschienen. Seine Hütte in Ruby hat Wolf vor über 35 Jahren als Fachwerk errichtet und scherzt: „Wir haben einen Wettlauf, wer eher zusammenbricht: Ich, oder die Hütte!“

Auf einem Balken unterhalb seines Wohnraumfensters liege ich nun und schaue hinaus auf den Yukon River. Sanft rollen die dunkelgrünen Hügel der Kokrines Hills jenseits des Flusses. Himbeeren reifen jedes Jahr im wilden Hanggarten unter mir. Dahinter die Treibstoff-Tanks von Ruby – nicht unbedingt schön, aber heute wohl notwendig. Schaue ich in eisfreien Monaten stromauf, sehe ich am anderen Ufer ein dunkelblaues Band: das klare Wasser des Melozitna Rivers, das sich noch nicht mit dem Grau des Yukons mischen will.











Siglinde Fischer und Walter Steinberg, Möttau
2008