Sudan


Yei


Der Weg der Steine

Der Augenstein liegt im mittleren Astloch der Palme und hat einen guten Überblick über alle Geschehnisse, die auf dem Compound vor und hinter den Lehmmauern der Hütten stattfinden. Sie weisen  optimal die Hitze ab und speichern die Kühle der Nacht.

Seit zwei Wochen ist Regenzeit, die Gewitter knallen am Nachmittag und am Abend, Regen fällt in solchen Mengen, dass man noch nicht mal einen Finger hinaus strecken will. Jeder bleibt dann dort, wo er gerade ist, bis es wieder etwas aufgehört hat.

Yei, Südsudan, eine halbautonome Provinz mit eigener Regierung, dem Government of South Sudan. Ihr Präsident ist gleichzeitig Vize-Präsident in Khartoum. Nach langen Jahren Krieg stellen sich langsam friedliche Verhältnisse ein. Yei ist eine der grösseren Städte und Verwaltungssitz. Grosse Mengen an Flüchtlingen werden hier aufgenommen und rückgeführt in ihre Heimatregionen. Viele Hilfsorganisationen sind vor Ort, auch die UN mit ihrem World Food Programme zur Versorgung.

Falls es hier einmal eine funktionierende Infrastruktur gegeben hat, ist davon heute nichts zu sehen. Neben Wellblechbauten gibt es Lehmhütten, kaum dauerhafte Gebäude. Die Strassen haben Löcher, die sich in der Regenzeit schnell in Seen verwandeln. Das Leid ist den Menschen ins Gesicht gezeichnet, auch den jungen Frauen. Zu viele Krüppel auf den Strassen. Hoffentlich ist der Frieden von Bestand.

Der Weg der Steine


Frankfurt, im Juli 2006



Katarina Greifeld, Frankfurt/Main
2006