Sierra Leone


Freetown




Sein Zwillingsbruder wurde schon bei der ersten Überfahrt seekrank. Er beschloss, an Land zu bleiben, und die Stadt Freetown etwas zu beobachten. Seine Gedanken gehen zurück in die Zeit, als hier freigelassene Sklaven aus Amerika an Land kamen. In Amerika meinte man glatt, dass „die Afrikaner“ jetzt hier in einem freien „zu Hause“ wären. Die Menschen, die dort schon lange lebten, sahen das ganz anders, und so war die Beziehung zwischen den Beiden Gruppen alles andere als freundlich.

Nun schaut der Stein aber auf die Stadt, sieht das Gewühle von Menschen und Autos, die sich in den engen Straßen ständig in die Quere kommen. Er ist froh, etwas abseits zu sitzen.

Von etwas weiter oben schweift der Blick über die Feuerwache und die Stadt, die sich an die Berghänge schmiegt.

So manches Auto, das in einem früheren Leben in Deutschland fuhr, findet sich jetzt auf den Straßen Freetowns wieder.

Sich sein Brot zu verdienen, bedeutet für die Menschen in Sierra Leone Schwerarbeit. Die Straßen sind steil, der Karren schwer. In der feucht-heißen Luft fließt der Schweiß in Strömen.



Reinhard Hansen, Neuendettelsau
2008