Senegal


Dakar




Der Bahnhof weiß nur von Freuden und Tränen.     (William Faulkner)




Wir nahmen den Augenstein im April 2006 mit in den Senegal.

Das koloniale Zentrum der Franzosen hatte sich von Saint Louis, der Hauptstadt Französisch-Westafrikas, in das 1857 vom ersten französischen Gouverneur, General Faidherbe, gegründete Dakar verlagert. 1885 wurde die Eisenbahnlinie Dakar – Saint Louis eröffnet und die durchgehende Strecke von Dakar nach Bamako (Mali) besteht seit 1925. Für die Bauarbeiten hatten die Franzosen, ebenso wie für den Straßenbau, die einheimische Bevölkerung zur Zwangsarbeit verpflichtet.



Der Stein liegt am Bahnhof Dakar. Er schaut über die Gleise in die Ferne.
Der Bahnhof von Dakar, einst ein Ort der Betriebsamkeit, durchdrungen von Fernweh, Heimweh, Ankunft, Abreise, Willkommen und Abschied, ist heute, wie inzwischen so viele Bahnhöfe, eine Stätte vergangener Mobilität, ein Ort des Wartens.

Einmal täglich fährt ein Personenzug von Dakar nach Thiès und wöchentlich einmal einer nach Bamako, sehr langsam und mitunter entgleist dieser, weil der Zustand der Gleise nicht gut ist.


Die  einzige  Straße,  die  Dakar  mit  dem Landesinneren verbindet, ist ebenfalls ein Ort des Wartens  – endlos stehen die Autos, Abgase in die Luft blasend, im Stau.


An den  Schienen  wartet der Stein, und vielleicht wird er den Bahnhof jemals als einen Ort neuer, eigenen Belangen dienender Geschäftigkeit sehen können.






Lenore und Werner Lobeck, Schwarzenberg/Erzgebirge
2006