Ruanda


Byumba




Der Weg der Steine


Byumba liegt im Norden Ruandas, in der Nähe der ugandischen Grenze. Der Völkermord 1994 hat hier weniger Opfer gefordert als in den anderen Landesteilen mit mindestens 800.000 Toten, weil die Leute angeblich gemässigter sind, wie mir gesagt wurde.

Unterdessen gibt es hier ein Flüchtingslager kongoischer Tutsi, die vom Internationalen Roten Kreuz mit riesigen Lastern versorgt werden. Allgemein ist viel zu wenig in der europäischen Öffentlichkeit darüber bekannt, wie arme und ärmste Länder, wie Ruanda oder auch Burundi, nicht nur von ihren eigenen Krisen geschüttelt werden, sondern auch von umfangreichen Flüchtlingsströmen erfasst werden.

Der grösste Teil der ins Ausland geflüchteten Ruander ist mittlerweile repatriiert. Die Regierung legt zu Recht Wert darauf, nicht weiter wie seit der belgischen Kolonialzeit zwischen Hutu und Tutsi zu unterscheiden, sondern vom Volk der Ruander zu sprechen.

Ein kleiner Teil dieser „neuen“ Ruander ist auf dem Bild zu sehen. Seit dem Ende des Völkermords ist das Land dreisprachig: kinyarwandisch, französisch und die aus dem meist englischsprachigen Ausland Zurückgekommenen mit englisch. Das stellt den Staat und die Ausbildung vor neue Herausforderungen – auch in dieser Schule wird  dreisprachig kommuniziert.

Der Stein liegt auf dem Vorplatz der Fachschule für Krankenpflege in Byumba. Die jugendlichen Schüler und Schülerinnen haben seit 1997 einen Anti-AIDS-Club gebildet, um sich und ihresgleichen über HIV/AIDS und die damit verbundenen Risiken möglichst kompetent aufzuklären. Aus dem finanzkräftigeren Ausland kommt dafür Unterstützung. Diese Schüler hier nahmen an  einer Fortbildung zur sexuellen Gesundheit von Jugendlichen teil, die mit Unterstützung einer deutschen Organisation (InWEnt) gemeinsam mit dem Kigali Health Institute durchgeführt wurde. Einer von ihnen war auch schon 2004 in Potsdam, um sich mit Jugendlichen aus Kamerun und Niger über dieses Thema auszutauschen. 

Gerne hätten sie eine Milchkuh, um mit dem Erlös aus dem Milchverkauf ihre Club-aktivitäten finanzieren zu können. Dafür suchen sie gerade nach Möglichkeiten.

Vielleicht kann der Stein später mehr erzählen, was aus ihnen (oder der Milchkuh) geworden ist. Vielleicht wandert er ja auch in die Schultasche eines Schülers und wird woandershin befördert....


Kigali, den 10. Oktober 2005




Katarina Greifeld, Frankfurt/Main
2005