Neuseeland


Mount Ruapehu




Der Weg der Steine
Rastender Stein ueber der Wegmarkierung.



Kia ora,
so lautet der Gruss der Maoris. Er bedeutet so viel wie "hallo!", viel Glueck und alles Gute. Ein Kia ora schicke ich hiermit ins www und hoffe auf Resonanz.

Zunaechst muss ich mich aber erst einmal vorstellen. Ich bin der groesste von vier Augen-Steinen, die am 13. November 2005 auf dem Rhein-Main-Flugfhafen in Richtung Neuseeland gestartet sind - gut verstaut im Handgepaeck. An Bord eines Jumbos von Korean Air ging's ueber die Ostsee und Lithauen und Russland an Moskau vorbei. Wir ueberquerten den Ural, Teile von Sibirien, die Mongolei und die Wueste Gobi, bis wir schliesslich chinesisches Hoheitsgebiet verliessen und nach Suedkorea einschwebten. Von einer mehrstuendigen Stadtbesichtigung beim Stopover in Seoul bekamen wir Steine - weil tief unten in der Tasche - wenig zu sehen. Dann flogen wir weiter - in suedoestlicher Richtung quer ueber den Pazifik. Wir passierten das US-Territorum Guam in Mikronesien, duesten ueber die Salomonen, Neukaledonien und die winzige australische Insel Norfolk, wo - wie auf Pitcairn ganz im Osten Polynesiens - noch Nachfahren der Bounty-Meuterer leben. Und dann dauerte es auch schon nicht mehr lange, bis wir in Auckland landeten. Es ist inzwischen eine Multikulti-Millionenstadt, in der Maoris, alteingesessene Kiwis angelsaechsischer Praegung, Einwanderer aus Europa und Asien sowie viele Pacific-Islanders offenbar ganz gut zusammenleben. In Auckland wohnt etwa ein Viertel der Vier-Millionen-Nation.

Die Maoris, die vor mehr als 1000 Jahren - aus der tropischen Suedsee in Doppelrumpf- und Auslegerbooten kommend - die beiden Inseln entdeckten und anfingen zu besiedeln, nannten sie Aotearoa, das Land der langen weissen Wolke. Der nierlaendische Seefahrer Abel Tasman und seine Crew erreichten 1642 die Suedinsel. Die Hollaender tauften ihre "Entdeckung" spaeter Nieuw Zeeland oder neues Seeland - nach einer ihrer Provinzen daheim. Die Briten gewannen jedoch an Einfluss. 1840 wurde Neuseeland britische Kolonie. Noch heute ist die englische Koenigin Staatsoberhaupt Neuseelands, das - wie auch Australien - zum Commonwealth gehoert.

Ich muss noch erwaehnen, dass die Maoris und die Britische Krone nach blutigen kriegerischen Auseinandersetzungen am 6. Februar 1840 den Vetrag von Waitangi unterzeichneten, der die Rechte der Urbevoelkerung festschreiben sollte. Noch heute wird ueber die Auslegung des Vertrages bei Land- und Wasserrechten und so weiter heftig gestritten. Ueber die Politik und Kultur der Maoris gibt's uebrigens aktuelle Informationen in MANA, the Maori Magazine for all New Zealanders. Mehr unter www.manaonline.co.nz im Internet.

Ich gebe zu, dass ich als alter Augen-Stein hier ziemlich weit ausgeholt habe. Aber ein bisschen Background ist schon wichtig.


Der Weg der Steine
Rastender Stein auf den Felsen oberhalb der Emerald Lakes.


Und jetzt zurueck zu unserer Reise - mit etwas mehr Tempo, bitte. Wir haben in Auckland den Bus nach Taupo am Lake Taupo, etwa in der Mitte der Nordinsel, genommen. Dort haben wir eine mehrtaegige Wanderung im Tongariro Nationalpark vorbereitet, in dem der Mount Ruapehu mit 2797 Metern der hoechste Berg ist. Der Schnee bedeckte, noch aktive Vulkan schlummert zurzeit. Doch im Umland waechst die Angst, dass sich vom Kratersee mal wieder eine grosse Schlammlawine (Lahar) loesen koennte.

Der Weg der Steine
Auf dem Gelaender der Ketetahi-Huette mit den Lakes Rotoaira und Taupo (Hintergrund).


Ungeachtet dessen wanderten wir ueber den Northern-Circuit-Track. An mehreren Stellen konnte ich schon mal probeweise in die Landschaft gucken - wie an der Ketetahi-Huette hoch ueber den Lakes Rotoaira und Taupo und ...

Der Weg der Steine
Der Mount Ngauruhoe, wie ihn der Stein aus dem Rucksack sieht.


... an noch einigen anderen Stellen mit gutem Ausblick. Meinen Platz habe ich jedoch unterhalb der Emerald Lakes gefunden.


Der Weg der Steine
Der Stein schaut auf den Mount Ngauruhoe, links daneben taucht schon der weisse Gipfel des Mount Ruapehu auf. Etwas links davon Blick auf Lava- und Geroellhalden.
Ebenso weiter links nach Osten bis ins Tal, wo als Desert-Road der Highway 1 zu vermuten ist.



Ich liege seit dem 23. November (Uhrzeit auf dem Foto) auf einem Steinhaufen und kann bequem den Mount Ngauruhoe - das ist noch ein anderer Vulkan - sehen. Links daneben taucht schon der Mount Ruapehu auf. Unterhalb von mir sind Lava- und Geroellfelder. Links ist das Tal zu sehen, durch das der Highway 1 verlaeuft. Ganz rechts von mir dampft und zischt es. Falls ich als Augen-Stein riechen koennte, muesste ich sagen, dass es hier nach faulen Eiern stinkt. Schwefelgeruch eben.

Der Weg der Steine


Nun verabschiede ich mich. Ich bin wohl in den kommenden paar tausend Jahren (fuer uns kleine Steine eine kurze Zeit) nicht mehr auf Sendung. Ich uebergebe an einen meiner Kollegen, der auf der Suedinsel seinen Platz finden will. Und nochmals: Kia ora, Leute, haltet die Ohren steif.

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Martin Feldmann, Frankfurt/Main
2005



siehe auch: Neuseeland /Ross | Vanuatu /Vila Port | Vanuatu /Sharks Bay