Mongolei


Tal des Ojgor-Gol




Der Weg der Steine
Foto: V. Myl´nikov


Im äußersten Nordwesten der Mongolei, wo das Staatsterritorium an Russland und China grenzt und auch Kazachstan nur wenige Kilometer entfernt ist, liegen die südlichen Ausläufer des Hochaltaj. Zwischen Bergketten von über 4000 m Höhe entspringen Flüsse mit so klangvollen Namen wie Tsagan-Salaa, Nogon-Nur, Schek-Ojgor-Gol und Ikh-Ascha, die in breiten Tälern nach Osten fliessen, um sich dort in den Ebenen in großen Seen zu sammeln.

Diese Ost-West-Verbindungen werden seit Jahrtausenden von nomadisch lebenden Viehhirten genutzt, die in Form ihrer Gräber überall Spuren in der Landschaft hinterlassen haben. Auf den Terrassenrändern der Flusstäler reiht sich ein Grabhügelkomplex an den anderen: neben Gruppen hoch aufgesch?tteter Kurgane aus der Bronzezeit finden sich die streng ausgerichteten Reihen flacher Grabhügel der skythenzeitlichen Stämme, aber auch mittelalterliche Anlagen turksprachiger Völker mit rechteckigen Einfriedungen. Die jüngste Schicht dieser Gräberlandschaft bilden die muslimischen Friedhöfe der heute in der Gegend lebenden kazachischen Nomaden, die den kargen Landstrich mit ihren Yak- und Kamelherden durchziehen und im Sommer in Jurten, im Winter in einräumigen Holzhäusern wohnen. Mongolen trifft man hier dagegen nicht.

Der Weg der Steine
Foto: I. Sljusarenko


Das Auge hat seinen Platz in der Steinaufschüttung eines großen bronzezeitlichen, etwa 3000 Jahre alten Grabhügels im Tal des Ojgor-Gol gefunden. Der Kurgan ist Teil einer Gräbergruppe, die mit ihren eindrucksvollen dunklen Formen das fast vegetationlose Flusstal an dieser Stelle weithin sichtbar dominiert. Der Blick des Auges geht nach Westen, wo sich in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Bergketten an der chinesischen und russischen Grenze erheben, hinter denen seit jeher die kazachischen Steppen auf die Wanderhirten warten.

Der Weg der Steine
Foto: E. Kravtschenko


Koordinaten: N 49° 18´ 88,4´´; E 88° 47´ 07,3´´; Höhe: 2193 m ü NN.
Niedergelegt am 9. Juni 2005.



Henny Piezonka, Berlin
2005