Mexiko


Chichen Itza




Der Weg der Steine


Am Nachmittag des 19. Oktober 2005 kommen wir in Chichen Itza an. Das Wetter ist für Jahreszeit und Region ganz ungewöhnlich. Statt strahlend blauem Himmel und Sonne blicken wir auf einen finstereren Himmel, aus dessen Wolken immer wieder heftige Wasserschauer herunterprasseln. Die auf Plastikfolien ausgebreiteten Verkaufsangebote der Indigenen auf dem Gelände der Zona arqueologica können vor der Nässe nicht geschützt werden. Touristen schützen sich vor den Regengüssen mit schnell erworbenen Umhängen aus blauer Pastikfolie. So ist das Gelände voll mit blauen Menschen.

Der Weg der Steine Die Pyramide, genannt El Castillo (das Schloss), auch Kukulkan-Pyramide


Die größte Pyramide auf dem Gelände, genannt El Castillo, darf bestiegen werden. Sie ist ohne den Tempelaufsatz 25 m hoch. Zwei der vier Treppen sind begehbar und dies wird von den meisten der Besucher auch wahrgenommen. Auch wir besteigen natürlich die Pyramide und genießen den Blick von oben und die Reliefs in den Wänden und Säulen des Tempels in der Höhe. Unseren Augenstein beschließen wir auf einer der oberen Stufen einer der beiden nicht zu begehenden Treppen abzulegen.

Der Weg der Steine Templo de los guerreros
Tempel der Krieger
Blick des Augensteines


Von hier schaut er auf den Tempel der Krieger, der im Westen liegt. Gleichzeitig ist es auch die Richtung, in der sich der Hurrikan Wilma Yucatan nähert.
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch gar nichts von diesem herannahenden Unwetter. Erst später im Hotel erfuhren wir, dass die allabendliche Veranstaltung „Luz y Sonido“ (Licht und Gesang), die wir besuchen wollten, nicht stattfinden wird und dass der Grund der andauernde Regen wegen des sich nähernden Wirbelsturmes ist. Im Laufe dieses Tages war der sich nähernde Sturm von der Kategorie 1 zur höchsten Kategorie 5 heraufgestuft worden und die hiesigen Niederschläge waren dem die Küste von Yukatan bedrohenden Hurrikan zu verdanken, der einen Durchmesser von 800 km hatte und in dem Windgeschwindigkeiten von 280 km/h mit Böen bis zu 340 km/h herrschten. Chichen Itza liegt etwa 160 km entfernt von der im Westen vor der Küste von Yukatan liegenden Insel San Miguel de Cozumel, über der am übernächsten Tag das Auge des Hurricans etwa 2 Stunden mit blauem Himmel und Windstille verharrte. Doch das erfuhren wir alles erst später. Wir beschlossen, am nächsten Morgen wiederum die Ruinen zu besuchen und dann den Augenstein, den wir heute nicht mit uns hatten, abzulegen.
So geschah es dann auch.

Der Weg der Steine
Die Pyramide von Westen

Das Wetter war etwas besser, die Regenschauer seltener und weniger heftig. Am frühen Morgen war die Zahl der Besucher noch gering und wir waren fast die ersten unterwegs. So konnten wir ohne Beobachtung den Stein auf den schon gestern ausgesuchten Stufen ablegen, wo er von oben unsichtbar ist und in Ruhe das Treiben um sich herum beobachten kann.

Der Weg der Steine Augenstein auf
einer der oberen Stufen



Kirsten und Friedrich Bergerhoff, Frankfurt/Main
2005