Kiribati


Betio




Der Weg der Steine
Vor dem Abflug nach Kiribati am 5. Dezember mit der "Fidschi Sun"


Liebe Leute,

der Gruss in Kiribati (sprich Kiribas) lautet MAURI. Das bedeutet so viel wie HALLO. Ich bin die Nummer 4 im Suedsee-Paket 2006. Einen Stein nennen die Leute hier Atibu. Also bin ich jetzt Atibu. Und die Frage, was den Weg der Steine heisst, loeste in der Grossfamilie im "Tabon te Keekee Homestay" auf Tarawa, dem Hauptatoll von Kiribati, eine laengere Diskussion aus. Karea Baireti, Chef und Sprecher der Siedlung (mit drei einfachen Huetten fuer Besucher) am suedoestlichen Ende von Nord-Tarawa, meinte, im mikronesischen Kiribati sei es nicht ueblich, Wege mit Steinen zu markieren. Seine Frau Veronica und er schluegen schliesslich die Formulierung TE KAWAI AE KIRI AIBU vor.

Wir konnten von Fidschi, wo die Militaers geputscht haben, mit der Air-Pacific-Maschine trotz des Konflikts noch ungehindert (wenn auch mit fuenftaegiger Verspaetung) weiter nach Tarawa duesen. Ein Bild von mir mit der Titelseite der Zeitung "Fidschi Sun" entstand kurz vor dem Abflug. Nun lassen wir mal Fidschi hinter uns, denn Stein Nr. 1 hat sich ja schon mit der politischen Lage des Inselstaates beschaeftigt.

Der Weg der Steine
Anti-Aids-Kampagne in South Tarawa (Betio)

Hier ein paar grundsaetzliche Informationen ueber Kiribati. Der mikronesische Eingeborenenname fuer die westliche Gruppe flacher Ringatolle ist Tungaru. Als Gilbert-Inseln (wie die benachbarten polynesischen Ellice-Inseln, heute Tuvalu) befanden sie sich fast 90 Jahre lang (mit Unterbrechung im Pazifikkrieg) unter britischer Verwaltung, bis sie 1979 selbstaendig wurden. Seit 1999 zaehlt Kiribati zu den Vereinten Nationen. Zu Kiribati gehoeren noch die Phoenix-Inseln und ganz im Osten die Line-Gruppe mit Christmas-Island, in den spaeten 5oer und fruehen 60er Jahren Atombombentestgebiet der Briten und Amerikaner. Die internationale Datumsgrenze macht schon seit geraumer Zeit einen oestlichen Bogen um das Land. Denn frueher war der Westen heute, der Osten von Kiribati aber noch gestern gewesen, was zu Irritationen gefuehrt hatte. Kiribati - mit etwa 60 000 Bewohnern - erstreckt sich im Zentralpazifik fast 3900 Kilometer entlang des Aequators. Ausser dem steigenden Meeresspiegel das groesste Problem: die Ueberbevoelkerung auf dem Tarawa-Atoll (41 000 Menschen). Deshalb foedert die Regierung die Umsiedlung vor alllem auf die oestlichen Line-Inseln. Das Muellproblem (leere australische Bier- und Coladosen sowie Plastikabfall) hat Kiribati dank eines Recycling-Programms im Griff. Vor zehn Jahren habe es hier noch ziemlich schlimm ausgesehen, sagt mein Medium. Ein Grossteil der Bevoelkerung hat kein Klo mit Wasserspuelung. Deshalb begeben sich viele Menschen regelmaessig in die Lagune, um kleine und grosse Geschaefte zu erledigen. Lonely Planet warnt deshalb ausdruecklich davor, wegen der hohen Keimdichte hier zu baden. Schnorcheln und Schwimmen sind nur entlang des nicht mit Autostrassen erschlossenen und weniger besiedelten Landstreifens von Nord-Tarawa zu empfehlen. Und natuerlich auf den abgelegenen aeusseren Inseln.

Der Weg der Steine
"Faehre" zwischen South und North Tarawa

Ueber den Atollrand von Sued-Tarawa zieht sich eine 35 Kilometer lange Strasse, die im Suedwesten ueber einen Damm bis zu dem Inselchen Betio fuehrt. Auf der ganzen Strecke sind viele Minibusse auf Achse, die nach Zuruf Leute am Wegesrand auflesen.

Der Weg der Steine
Spielende Kinder in South Tarawa

Ich haben mit meinem Medium das Atoll erkundet. Bilder sind unter anderen in der Unterkunft (im Homestay), im Hafen, in den kirchenreichen Siedlungen und dann am Damm von Betio entstanden. Dort rosten zwei alte japanische Geschuetze vor sich hin, die an die Schlacht von Tarawa erinnern. Am 20. November 1943 hatten mehere tausend US-Marines mit der Stuermung von Betio begonnen. Nach mehreren Tagen besiegten sie die Japaner. Die Schlacht um Tarawa ging als eine der blutigsten in die Geschichte des Pazifikkriegs ein. 4500 Japaner und 1113 Marines kamen ums Leben. 2290 Amerikaner wurden verletzt. Ausserdem gab es ungezaehlte Opfer unter der Zivilbevoelkerung.

Der Weg der Steine

An einer der Kanonen am Suedostzipfel von Betio habe ich am 6. Dezember um 14.30 Uhr meinen endgueltigen Platz gefunden. Ich will hier gegen Krieg, Gewalt und fuer Frieden, Menschenrechte und so weiter demonstrieren. Ich schaue suedlich auf den offenen Ozean. Rechts sehe ich die zweite Kanone, die schon stark verwittert ist.

Der Weg der Steine
Mein Platz am Geschuetz in Betio


Ich verabschiede mich nun mit tia bo = goodbye. Nummer 5 will aus der Republik der Marshall-Islands, 800 Kilomter noerdlich von hier, berichten, was er vors Auge bekommt..

Macht's gut - Euer Atibu





Der Weg der Steine
Beim Verlassen des Atolls



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Martin Feldmann, Frankfurt/Main
2006



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