Kambodscha


Killing Fields Choeung Ek



Phnom Penh – die pulsierende für kambodschanische Verhältnisse moderne Hauptstadt hinterlässt Eindrücke, die sich schwer einordnen lassen. Freundliche meist bitterarme Menschen, Straßenkinder in allen Altergruppen leben im Schatten der zum Teil recht teuren und luxuriösen Hotels und Restaurants. Die Straßen sind verstopft mit Mopeds, auf denen ganze Familien transportiert werden und Mütter während der Fahrt ihre Babies stillen. Sogar einen Kranken im OP-Kittel sehen wir als Sozius, hinter ihm sitzt eine Krankenschwester, die seinen Tropf hochhält.

Die wenigen Autos, die  uns begegnen, sind große immer schwarze Lexus-Geländewagen mit schwarz getönten Scheiben, denen die anderen Verkehrsteilnehmer sofort Platz machen, von denen sie Abstand halten. Wir haben nie erfahren können, wer in diesen Wagen sitzt.

Und dann Tuol Sleng, das frühere Gymnasium der Stadt, das zum Foltergefängnis der Roten Khmer wurde. Als wir dort ankommen, stürzen die Bettler und Schwerstversehrten auf uns zu, manche Gesichter sind durch Brandnarben bis zur Unkenntlichkeit entstellt und die Gliedmaßen verstümmelt. Wir flüchten uns nach drinnen und werden mit den unvorstellbaren Grausamkeiten des Pol Pot Regimes konfrontiert, die in dem heutigen Genozid-Museum dokumentiert werden. Die Regimegegner, die hier gefoltert wurden, brachte man zur Exekution zu den ca. 15 km außerhalb der Stadt gelegenen so genannten Killing Fields. Hier mussten sich die Gefangenen der Einfachheit halber an die Ränder der bereits ausgehobenen Massengräber stellen und wurden, um Munition zu sparen, hinterrücks mit Schaufeln erschlagen.

Wir erlebten diesen Ort als würdige stille Gedenkstätte, die von einer großen Stupa im Eingangsbereich dominiert wird. Hier werden die Schädel vieler Opfer, geordnet nach Alter und Geschlecht aufbewahrt. Den Augenstein haben wir unter einem der großem, uralten Bäume auf dem Gelände abgelegt. Wir haben den Baum ausgewählt, in dessen Krone die Lautsprecher hingen, deren laute Musik die Schreie der Sterbenden übertönen sollte.



Dagmar Girbardt, Dietzenbach
2009