Deutschland


Koblenz




Der Weg der Steine

Der Stein liegt unter einer Steinbank mit Blick auf das „Deutsche Eck“:

Das Denkmal (Gesamthöhe 37 Meter) am Deutschen Eck, am Zusammenfluß von Rhein und Mosel, ist eines der Bauwerke, die das deutsche Volk zu Ehren Kaiser Wilhelms I. errichtet hat. Professor Bruno Schmitz und der Bildhauer Professor Hundrieser, zwei Berliner Künstler, sind seine Erbauer. Das Denkmal wurde im Jahre 1897 eingeweiht.

Die Rheinprovinz widmete Kaiser Wilhelm I. das Monument als Dank für die Einigung des Deutschen Reiches. Das Denkmal zeigt den Kaiser zu Pferd in dem weiten Umhang eines Feldmarschalls mit Helm und Federbusch. Neben dem Pferd schreitet eine weibliche Genienfigur, die Krone tragend.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 16. März 1945, wurde das Reiterstandbild durch eine amerikanische Artilleriegranate beschädigt. Zwischen 1953 und 1990 diente der Sockel als „Mahnmal der Deutschen Einheit“. Auf dem Sockel wehte eine riesige Deutschlandfahne. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurden neben dem Denkmal drei originale Betonelemente der Mauer aufgestellt.

Seit dem Krieg wurde immer wieder über eine Neugestaltung des Denkmals diskutiert. Alle Pläne scheiterten jedoch entweder an der fehlenden Finanzierung oder daran, daß sie sich nicht mit der Idee des Mahnmals vertrugen. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 verlor das Mahnmal jedoch seinen sinnstiftenden Gedanken. Eine private Stiftung des Koblenzer Verlegerehepaares Theisen ermöglichte nun die Rekonstruktion des Reiterstandbilds.

Das Vorhaben wurde in Koblenz kontrovers diskutiert, weil ein Denkmal für Wilhelm I. von vielen als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde. Unter anderem führte man seine Vergangenheit als „Kartätschenprinz“ zur Zeit der Märzrevolution an, bei der er die Revolutionäre in Berlin hatte zusammenschießen lassen. Als Argumente für die Rekonstruktion des Denkmals wurden vor allem der touristische Aspekt und die Wirkung in der Stadtsilhouette angeführt.

Die Realisierung der Rekonstruktion wurde erst möglich, nachdem das Land Rheinland-Pfalz seine Besitzrechte an dem Denkmal auf die Stadt Koblenz übertragen hatte. Der Stadtrat akzeptierte daraufhin die Schenkung der Eheleute Anneliese und Dr. Werner Theisen. Der Düsseldorfer Bildhauer Raimund Kittl wurde mit der Nachbildung der 1945 zerstörten Skulpturengruppe beauftragt, die nun aus widerstandsfähigem Bronzeguß und nicht mehr aus Kupferplatten bestehen sollte. Im Mai 1992 traf das Reiterstandbild via Schiff über den Rhein in Koblenz ein, wo es zunächst im Rheinhafen zusammengebaut wurde. Am 2. September 1993 hievte der größte fahrbare Gittermastkran Europas das Reiterstandbild auf den Denkmalsockel. Die Aufstellung fand an dem Tag statt, der im Kaiserreich als „Sedantag“ gefeiert worden war, zum Zeichen des Sieges der deutschen Staaten unter der Führung des späteren Kaisers Wilhelm I. über Frankreich. Auf deutscher Seite war dies nicht aufgefallen, wohl aber in Frankreich. Die feierliche Einweihung fand schließlich am 25. September statt. Heute ist das Denkmal am Deutschen Eck vor allem eine Touristenattraktion.

Der Weg der Steine



Monica Zelt, Nörtershausen
2006