Chile


Gigante de Atacama



Wo liegt der Stein?

Der Stein liegt vor dem Hügel Cerro Unita in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. In einigen Teilen regnet es hier nur alle 30 - 40 Jahre, in anderen hat es seit der Aufstellung von Messstationen noch nie geregnet. Der Stein hat somit die Chance, dass sein Auge nie abgewaschen wird.



Was sieht der Stein?

In Chile gibt es viele Petroglyphen: Großflächige Kunstwerke auf Hügeln, die zwischen 1000 und 1400 nach Christi geschaffen wurden. Sie sind entweder durch das Legen von dunklen Steinen auf hellem Untergrund oder das Entfernen von Steinen aus dem Lehmboden geschaffene Figuren. Die Bedeutung der Petroglyphen in Chile ist immer noch unklar, aber ihre meistens exponierten Lagen am Rande der Wüste auf den Osthängen der Küstenkordilleren, legen die Vermutung nahe, dass sie für ihre Erschaffer u.a. Wegweiser waren.

Ich wollte junge Kunst, die etwas sehen soll, alter Kunst, die etwas zeigen will, entgegen setzen und habe den Stein deswegen vor der Petroglype Gigante de Atacama – dem Riesen der Atacama-Wüste – abgelegt. Angeblich ist er mit einer Länge von 86m die größte menschliche Figur der Welt.



Da die Umgebung des Cerro Unita nicht touristisch erschlossen ist und der Boden von kleinen, wenn auch andersfarbigen Steinen bedeckt ist, habe ich die Hoffnung, dass der Stein nie auffallen oder gefunden werden wird.






Was sah der Stein sonst noch?

Bevor ich den Stein vor dem Gigante de Atacama abgelegt habe, hatte ich ihm noch einige andere Stellen in Chile gezeigt. Die aus meiner Sicht Interessantesten sind im Folgenden aufgeführt:

Eine Attraktion in Chile sind die Tatio-Geysire auf fast 4.300m Höhe. Angeblich gibt es nur fünf Länder auf der Erde, in denen Geysire vorkommen. Mich persönlich haben die Landschaft und der Sonnenaufgang allerdings mehr beeindruckt, als die Geysire.



Der Salar de Atacama ist der drittgrößte Salzsee der Welt und in seiner Unwirklichkeit sehr beeindruckend.



Die Geoglifos Cerros Pintados sind mit über 400 Einzelfiguren, verteilt über mehrere Hügel, angeblich die größte Ansammlung von Petroglyphen auf der Welt. Leider wurden sie gerade restauriert, so dass auf dem schönsten Hügel einige Erdhaufen lagen.



Eine Besonderheit der Atacama-Wüste sind die Tamarugo-Bäume. Ihre Wurzeln sind so lang, dass sie das tief liegende Grundwasser erreichen können. Die Atacama-Wüste war vor dem Salpeterboom im 19. Jahrhundert zu weiten Teilen mit diesen Tamarugo-Bäumen bewachsen, weswegen die Gegend auch Pampa de Tamarugal heißt. Das folgende Bild (mit Stein!) ist mitten in der Wüste, außerhalb jeglicher Oase und trotzdem in einem lichten Wald entstanden.



Der nördlichste Punkt meiner Reise in Chile war Pisagua am Pazifik. Nach einer Boomzeit als Salpeterhafen wurde die Stadt eine Gefangenenkolonie und zu Zeiten von Pinochet sogar Folterzentrum für politische Gefangene. Auch das sollte der Stein sehen.




zum 360° Panorama



Michael Herzog, Darmstadt
2006