Bosnien und Herzegowina


Mostar



Eine dreistündige Busfahrt bringt uns von Dubrovnik durch das malerische Delta der Neretva nach Mostar. Über eine so stark bewachte Grenze, wie wir sie in Europa nicht mehr erwartet hatten. Niemand darf den Bus verlassen. Nach endlosem Warten endlich die Weiterfahrt - wir sind jetzt in Bosnien-Herzegowina. Es fallen sofort die PKW-Kennzeichen auf, deren Verschlüsselung es unmöglich machen soll, Rückschlüsse auf die Herkunft des Halters zu ziehen. Die Straße ist gesäumt von Hausruinen, zum Teil notdürftig repariert und schon wieder bewohnt. Nur ein Bruchteil der Äcker wird bestellt - es sind noch nicht alle Minen geräumt.

Weg der Steine - Bosnien und Herzegowina - Mostar

Wir verlassen den Bus am Ortseingang von Mostar direkt an einem der großen Friedhöfe. Die meisten Miniaturporträts auf den Grabsteinen zeigen die Opfer des Krieges, viele 1993 gefallene junge Männer, aber auch Frauen und Kinder.

Das geschäftige Treiben in der Altstadt kann uns unsere Bedrückung nur zum Teil nehmen. Nach einer Biegung sehen wir auf einmal die Alte Brücke vor uns, die hellen Steine von der Sonne beschienen, spannt sie sich über das türkisfarbene Wasser der Neretva. Der Anblick ist atemberaubend. Fast 500 Jahre lang war die Brücke die Verbindung zwischen Katholiken im Westen und der Muslime im Osten der Stadt, bis sie 1993 nach stundenlangem Beschuss der bosnischen Kroaten einstürzte.

Der von den Vereinten Nationen finanzierte Wiederaufbau dieses Weltkulturerbes wurde am 23.07.2004 feierlich eingeweiht - eine auch symbolische Verbindung zweier Kulturen.

Weg der Steine - Bosnien und Herzegowina - Mostar

Ein Brückenspringer ist über die Brüstung geklettert. Er konzentriert sich lange, bis er den Sprung aus 21 Metern Höhe in die eiskalte Neretva wagt. Diese alte Mutprobe vereint sowohl die jungen Männer als auch die Zuschauer, zumindest für kurze Zeit.


Weg der Steine - Bosnien und Herzegowina - Mostar


Dagmar Girbardt, Dietzenbach
2004