Äquatorialguinea


Malabo



Das Auge habe ich gestern (10. Dezember 2010) auf dem Kathedralplatz in Malabo abgelegt. Es schaut auf einen Springbrunnen mit Motiven aus Äquatorialguinea, gekrönt vom nationalen Baum Ceiba. Der Platz ist umrahmt von einer Kathedrale aus spanischer Zeit, vom Präsidentenpalast und einem Hotel. Die Nordseite im Rücken des Auges ist offen; sie gewährt einen Blick auf den Hafen von Malabo, ein versunkener Vulkankrater.

Weitere Vulkane zeigen sich bei klarer Witterung: der höchste Berg des Landes, der Pico Basile, sowie der majestätische Kamerunberg auf dem afrikanischen Festland am Horizont. Mit seinen 3.000 Metern überragt der Pico Basile die Stadt und schenkt der ganzen Insel Bioko Wetter, Wasser und mehr. Eigentlich sollte das Auge auf seinem Gipfel neben der Schwarzen Madonna zur Ruhe kommen. Dorthin führt eine kurvenreiche Straße. Aber die Wartezeit auf eine Mitfahrgelegenheit und eine staatliche Genehmigung wurde doch zu lang – auch wenn das Auge sie kurzweilig auf einem Schreibtisch der neuen deutschen Botschaft in Malabo verbracht hat.

So menschenleer, wie der Platz auf den Fotos aussieht, ist er selten. Tagsüber lärmen Kinder hier; abends und nachts spielen Jugendliche Fußball. Andere bringen ihre Computer mit, um das schnurlose Internet des Hotels zu benutzen. Wieder andere studieren im Schein der Straßenlaternen. Der Brunnen wird bunt beleuchtet, von der Kathedrale her schallt Chormusik. Den Palast bewachen rastlose Soldaten, bewaffnet mit Maschinenpistolen und sogar einem Panzer.

Damit der Augenstein nicht bei der nächsten Platzreinigung unwürdig im Müll landet, werde ich ihn bald die nahegelegene dicht bewachsene Böschung hinunterwerfen. So wird er Teil der natürlichen Hafenbegrenzung. Ist der Ausbau zum modernen Tiefwasserhafen abgeschlossen, werden hier größte Frachtschiffe aus der ganzen Welt, sowie Fähren aus dem äquatorialguineischen Festland und den Nachbarländern anlegen.

Beste Grüße aus Malabo!

Horst Gruner, Malabo
2010